Seilklettertechnik in der Baumpflege
Wer Bäume pflegen oder Gefahrbäume sicher fällen möchte, muß hoch hinaus. Das erfordert eine besondere Sachkompetenz und eine spezialisierte Ausbildung da es sonst schnell Lebensgefährlich werden kann.
Das Seilunterstützte Arbeiten in der Baumkrone birgt verschiedene Vor- und Nachteile. Als Nachteile sind zu nenen die erhöhte Körperliche Belastung, starke abhängigkeit von der Witterung sowie das vorhandensein von starken und gesunden Ankerpunkten (Astgabeln). Trotz dieser Nachteile überwiegen die Vorteile bei ensprechender Ausbildung bei weitem. So ist es möglich ohne Bodenverdichtung auf allen Terrains Baumarbeiten sicher und effizient druchzuführen. Bei ensprechender Übung, Ausrüstung und günstigen Ankerpunkten kann man in wenigen Minuten sämtliche Teile eines ausgewachsenen Baumes erreichen.


Die Vorraussetzungen
Die Gartenbauberufsgenossenschaft fordert ein Mindestalter von mindestens 18 Jahren. Weiterhin muss eine Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung VSG 1.2 nach H9 vorliegen und spätestens alle 2 Jahre erneuert werden. Es muss eine 16 Stündige Erste-Hilfe Ausbildung gemacht werden. Diese muss ebenfalls mindestens alle 2 Jahre aufgefrischt werden. Es müssen Nachweise über Lehrgänge oder innerbetriebliche Ausbildungen  zur Durchführung gefährlicher Baumarbeiten vorliegen. Weiterhin muss eine Weiterbildung mit Prüfung für Arbeitssicherheit Baum I (AS Baum I), sowie der Seilkettertechnik A Schein (SKT A) absolviert werden. Bei Arbeiten mit der Motorsäge im Baum müssen sämtliche Bewegungabläufe, darunter das anklettern der Arbeitspositon, verschiedene Aufstiegstechniken, Knotenkunde, Seileinbau, Rettungsübungen im Außenastbereich und die Absicherung des Arbeitsbereiches, sicher beherrscht werden. Dazu müssen Nachweise für mindestens 300 Kletterstunden erbracht werden. Die verwendete PSA (Persönliche Schutzausrüstung) muss bestimmte EN- und CE-Normen erfüllen. Einmal Jährlich hat eine Überprüfung der gesamten PSA druch einen Sachkundigen nach BGG 906 zu erfolgen. Mit dem bestehen der Seilkettertechnik B Prüfung, in der auch Riggingarbeiten (Kontrolliertes Ablassen von schweren Stammteilen) trainiert werden, kann bei der Gartenbau Berufsgenossenschaft der Arbeitsausweis für SKT Arbeiten beantragt werden.

Vorgehensweise
Als erstes wird eine sogenannte Baumansprache gehalten und eine Gefahrbaumermittlung Erstellt. Dabei wird der zustand des Baumes eingeschätzt und entschieden ob eine Bearbeitung mittels SKT verfahren in frage kommt. Gleichzeitig wird eine Kletterroute festgelegt und ein oder mehrere Ankerpunkte ausgesucht. Nach den Anlegen der Arbeitskleidung und des Helmes wird das Aufstiegsseil das später auch als eventuelles Rettungsseil im Baum verbleibt Installiert. Dazu wird ein Wurfbeutel verbunden mit einer Schnur durch viel Übung und Geschick bis zu 30m hoch Zielgenau über eine Hoch und Zentral gelegene Astgabel geworfen. Bei Erfahrenen Baumpflegern klappt das in der Regel nach wenigen Versuchen und nimmt nur sehr wenig Zeit in Anspruch. Unerfahrene Baumpfleger oder schlechte Werfer bauen ihr Aufstiegsseil meistens sehr weit unten im Baum ein. Dadurch wir der Aufstieg sehr stark verlangsamt da ein erreichen der Krone nur duch mehrmaliges umbauen des Klettersystems möglich ist.
Ist der Wurfbeutel und somit die Schnur über eine geeignete Astgabel geflogen kann das Aufstiegsseil mit der Schnur verbunden und über die Gabel gezogen  werden. Sollten sich mehrere Äste innerhalb der beiden Seilenden befinden müssten diese bis auf den Ankerungsast  Isoliert werden. Steht das Ausfstiegsseil wird es durch spezielle Knoten Fixiert bleibt aber dennoch von unten abziehbar. Nun kann der Aufstieg zur Arbeitsposition (vorrausgesetzt das Seil wurde hoch genug eingebaut) beginnen. Auch dieser vorgang dauert in der Regel nicht länger als ein bis zwei Minuten bei verwendung von Techniken die keine allzu große Rüstzeit erfordern (Beispielsweise Footlock). Oben angekommen wird Kurzgesichert um das eigentliche Kletter und Arbeitssystem einzubauen. Dieses Spezielle Umlaufende Seilsystem ermöglicht dann ein exaktes Positionieren und Dynamisches Arbeiten im Baum. Wie oben bereits geschrieben kann so innerhalb weniger Minuten mit der Arbeit im Baum begonnen werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich das ein vorbereiten der Hubarbeitsbühne ähnlich viel Zeit in anspruch nimmt bei komplizierten Zufahrten (sofern diese überhaupt möglich sind) dauert es sogar wesentlich länger als bei einen erfahrenen SKT Baumpfleger.


Das Material
Als bekennender Materialfetischist bin ich für fast alle eventualitäten gerüstet. Mit der Zeit wuchs meine, und wächst immer noch, Ausrüstung für Hobby und Beruf zu einer ansehnlichen Ansammlung an, mit der mir sicheres Arbeiten und effektive Problemlösungen möglich sind. Wer einmal einen erfahrenen SKT Sachkundigen bei seiner gewissenhaften und kontrollierten Arbeit zugesehen hat möchte sicherlich keinen Hausmeisterservice mehr für seine Gefahrbäume beauftragen und sich auf pures Glück verlassen.


© Der Gartenwulf